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Briedeler Schweiz


 
© Hermann Thur


Die Briedeler Schweiz ist ein felsiger, bewaldeter Steilhang (Prallhang) im »Zeller Hamm« zwischen Briedel und Zell am rechten Ufer (Hunsrückseite) der Mosel, Kreis Cochem-Zell, Rheinland-Pfalz.

Er hat eine Länge von etwa drei Kilometern und der Höhenunterschied vom Niveau der Mosel (90 m) bis zum Bumkopf (422 m) beträgt ca 330 m. Das Gebiet ist heute überwiegend mit Laubwald bewachsen.

Das Waldgebiet, insbesondere der Bereich »Beijent«, eine etwas flachere Zone in halber Bergeshöhe, wurde in früher Zeit teilweise als Ziegenweide genutzt.

Vom Ort Briedel im Tal bis zum Bumkopf auf der Höhe wird die Briedeler Schweiz diagonal durch den Sündweg erschlossen. Dieser steile Weg war bis zur Motorisierung der Hauptzugangsweg zu den Äckern und Weiden auf der Höhe, die im Rahmen der Rottwirtschaft die Basis für die Ernährung der Bevölkerung sicherten.

Als Schutz- und Pausenraum wurde 1719 anstelle einer älteren Kapelle die Sündkapelle erbaut und 1850 7 Kreuzwegstationen entlang des Weges aufgestellt.

1858 wurden sogar zwei Briedeler Bürgern die »Schürfrechte auf Kupfer, Silber oder Gold in Beijent« gewährt. Von entsprechenden Funden und Ausbeutungen sind aber keine Informationen überliefert.

Als Verbindung zwischen Briedel und Zell bestand bis zur napoleonischen Besetzung der Rheinlande nur ein schmaler Ufer-Treidelpfad, der bei Hochwasser unpassierbar war. Einzige Verbindung zum Warentransport war die Schifffahrt. Erst ab 1825 betrieb die preußische Regierung den Ausbau von Straßen entlang der Mosel um von der Schifffahrt und den Wasserständen unabhängigere Verbindungen zu schaffen. Nach 1868 wurde die Moseluferstraße durchgängig befahrbar.

Mit dem Bau der Moseltalbahn 1897-1905 kam dann eine weitere leistungsfähige Verbindung zwischen den Orten am Fuße der Briedeler Schweiz zustande.

Im Jahre 1880 genehmigt die Gemeinde Briedel dem Verkehrsverein durch Beiend einen Fußpfad anzulegen und einen Pavillon auf dem Berg zu errichten. Eine Kostenbeteilung und Holzgestellung durch die Gemeinde Briedel erfolgt dabei nicht.

1896 dann erteilt der Gemeinderat Briedel dem Verein »Mosel-Hochwald-Hunsrück«, einem Vorläufer des heutigen Hunsrückvereins, die Genehmigung zum Bau eines »Schweizer Häuschens« im Distrikt Beintsfelsen (jetzt: Schöne Aussicht). Dabei erfolgt die benötigte Holzgestellung dazu aus dem Gemeindewald.

In diesen überlieferten Protokollen ist erstmals der Begriff Schweiz im Zusammenhang mit dem Waldgebiet überliefert. Sicherlich ist dies ein Ausdruck des in diesen Jahren vorherrschenden Zeitgeistes der Romantik.

Die Gemeinde selbst errichtet kurz danach im Bereich Nußbaum (in der Nähe der neuen Uferstraße) auch eine Schutzhütte.

Der Moselhöhenweg, noch heute ein beliebter Fernwanderweg auf der Hunsrückseite der Mosel steigt von Zell aus quer durch die Briedeler Schweiz hoch zum Bumkopf, um von dort dann nach Enkirch wieder zur Mosel zu führen. Er wurde in den Jahren um 1910 durch den Hunsrückverein angelegt. In den letzten Jahren wurde der Mosel-Camino, eine Variante des Jakobsweges ausgeschildert. Dieser verläuft bei uns parallel zum M-Weg. Auch die neu ausgewiesene Mosel-Erlebnis-Route von Koblenz bis Trier nutzt die alten Wanderpfade quer durch unsere schöne Briedeler Schweiz.

Der Heimat- und Verkehrsverein Briedel baut unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung in den Jahren 1920-1927 mehrere ca 1 m breite Wanderpfade um dem hohen Anspruch des aufkommenden Tourismus Rechnung zu tragen. Noch heute stellen diese Pfade das Kerngerüst des Briedeler Wanderwegenetzes dar.

An den besonders markanten Aussichtspunkten Hindenburglay, Wilhelmshöhe und Schöne Aussicht wurden durch die Ortsvereine Schutzhütten mit Grillanlagen gebaut, die für Sommerfeste genutzt werden, aber auch anderen Interessierten zur Verfügung stehen. Am südlichen Ende ragt ein steiler Felssporn (Beinter Kopf) weit hinein in das Tal des aus dem Hunsrück kommenden Altlayer Baches. Hier wurden die Überreste eines Gebäudes, das offensichtlich ein römischer Tempel war, gefunden.

Der untere Bereich in Richtung Zell verfügt über mehrere ergiebige Quellen. 1912 erwarb die Stadt Zell von der Gemeinde Briedel das Recht, Trinkwasser zu entnehmen.

1928-1930 verkaufte die Gemeinde die nutzbaren flacheren Bereiche an Winzer, die den Niederwald rodeten und Weinberge anlegten. Geringe Qualitäten der Trauben und hohe Frostschäden veranlassten die Winzer, die Weinberge schon nach wenigen Jahren wieder aufzugeben. So konnte sich die Natur die Flächen wieder zurückerobern.

In den letzten Kriegswochen 1945 haben sich Briedeler Jugendliche, die kurz vor der Einberufung zur Wehrmacht standen, in den Felsen der Briedeler Schweiz bis zum Einmarsch der Amerikaner versteckt gehalten.

Von den vielen Aussichtspunkten geht die Sicht über die enge Moselschleife des Zeller Hamm weit hinein in die Eifel. Bei klarem Wetter kann man nordwärts über 100 km bis zur Nürburg und zum Nürburgring blicken.

 

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