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Winneburg um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Winneburg 1830 20

 

 

Unterhalb der Stadt öffnet sich der Talgrund des Endertbaches (Andrida), das schöne Wunnenberger Tal, in dessen fernem Hintergrund sich auf einer hohen, einsam emporragenden Felskuppe die Ruine des Schlosses Wunnenberg, gemeinhin die Winneburg genannt, erhebt. Sie ist in diesen Landen das älteste Stammschloss des nunmehr fürstlichen Geschlechtes von Metternich, dessen Wappen vor einigen Jahren wieder über dem Tore des Haupteinganges befestigt worden. Der Winneburg geschieht zuerst Erwähnung in einer Urkunde vom Jahre 1280, und zwar demnächst als eines Mannes-und Frauenlehens der Trierischen Kirche, obgleich das Erzstift zu Köln ältere Rechte in Anspruch nehmen zu dürfen glaubte. Nach dem Abgange der früheren Lehnsbesitzer erhielt zuerst der Domprobst Freiherr Emmerich von Metternich im Jahre 1638 während der Gefangenschaft des Kurfürsten Philipp Christoph von Söteren, zum Dank und in   Anerkenntnis der namhaften Dienste, welche seine Brüder den erzstiftischen Landen geleistet hatten, von dem regierenden Kapitel die Zusage, dass jenes alte, nunmehr erledigte Lehen künftig an seiner Familie übertragen werden sollte: jedoch widersprach der Kurfürst, als er seine Freiheit wieder erhalten hatte, und die Sache zog sich in die Länge. Erst im Jahre 1652 erfolgte die wirkliche Belehnung durch den Kurfürsten Johann Caspar von der Leyen, indem nunmehr die sämtlichen Wunneberg- Beilsteinischen Lehen an die Freiherren von Metternich übergingen, in deren Besitz sich diese bis zur Invasion und Okkupation der erzstiftischen Lande (1794) behaupteten.

 

 

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  moselabwärts  

Cochem um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Cochem 1830 19

 

 

Wer die Wasserstraße dem Landweg vorzieht, findet sich, so wie er, an den vorbeschriebenen Ortschaften vorbei, über die Krümmung des Flusses niederwärts Sehl hinausgekommen ist, durch den Anblick einer der reichsten Mosellandschafen und ihren zauberhaften Wiederschein in dem herrlichen Wasserspiegel auf das angenehmste überrascht. Auf einer schroffen Felsenkuppe erhebt sich drohend jener gewaltige Schlossturm der alten Reichsburg Cochem, an die so viele Erinnerungen geknüpft sind. Die Seite gegen den Fluss, mit Baumpflanzungen, Gebüsch und Strauchwerk malerisch überdeckt, senkt sich steil herab, und lässt am Ufer kaum so viel Raum, als für die schmale Fahrstraße nötig ist. Zwischen diesen Berg und den Fluss gedrängt läuft die Stadt in einer langen Reihe alter und neuer Gebäude am Ufer hin und begrenzt einen ansehnlichen Hafenplatz, der mit Schiffsgefäßen aller Art angefüllt ist und für die Tätigkeit der Bewohner ein   rühmliches Zeugnis gibt. Hafen und Stadt überragt und beherrscht das vormalige Kapuzinerkloster, ein Bauwerk, weniger durch seine Masse, obgleich auch diese nicht unbedeutend ist, als durch seine Gründung auf einer so vortheilhaften Stelle ausgezeichnet. Zuletzt öffnet sich das weiteTal der Endertbach, in dessen entferntem Hintergrund auf einer hohen Bergkuppe sich Trümmer des Schlosses Wunnenberg erheben. Gleich beim Eintritt zeigt sich Cochem ( oppidum Cucheme ad Andridam) als eine alte Stadt mit engen Straßen auf einem beschränkten Raum auf- und niedersteigend, durch die hohen steinernen Vorderseiten und Giebel der vielstöckigen Häuser noch mehr verdunkelt. Der Ort wird bereits im Jahre 1050 als Stadt genannt, und war damals der Sitz der Altgrafen der Mosel, die sich nach dem Erlöschen der Carolinger der hier befindlichen Königlichen Pfalzgüter angemasst haben mochten.

 

 

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  moselabwärts  

Burg Arras um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Burg Arras 1830 17

 

 

Die herrrlichen Umgebungen der Alfmündung, die Nähe der Marienburg und der so eben erst beschriebenen Ortschaften, das Prinzenköpfchen am äussersten Ende der Marienburger Höhe, da, wo sie mit dem Reiler Hals in Verbindung steht, die Burg Arras mit dem zu ihren Füssen ausgebreiteten Höllentale, der Alfgrund in seiner ganzen Ausdehnung bis gegen Bengel und Springiersbach, das Uesbachtal bis zu dem naheliegenden Badeorte Bertrich, Alles zusammengenommen macht den Flecken Alf zu einem Haupt- Ruhepunkt für den Moselfahrenden ganz besonders geeignet. Wohleingerichtete Gasthöfe (bei Theissen in der Post, bei Mentges und bei Maas) tragen dazu bei, den Aufenthalt in einer so interessanten Gegend noch angenehmer zu machen. Für jede andere Bequemlichkeit des Wanderers ist ebenfalls reichlich gesorgt, und die Zukunft lässt bei der zunehmenden Lebhaftigkeit des Verkehrs noch mehr erwarten. Die   Eiljacht berührt Alf bei der Bergfahrt Montags und Donnerstags um neun Uhr Vormittags, bei der Talfahrt dagegen Montags und Freitags um acht Uhr. Für einen Einspänner nach Bertrich berechnet Herr Theissen 1 Thlr; nach Lutzerath oder Trarbach 1 2/3 Thaler, für einen Zweispanner nach Bertrich 1 2/3 Thaler, nach Lutzerath oder Trarbach 2 2/3 Thaler. Das hohe Altertum des Fleckens lässt sich kaum bezweifeln; am Eingang eines so wichtigen Tales, wo sich die sonst viel benützte Strasse über den Reiler Gebirgshals nach dem Moselgrunde senkt, war Alf, militärisch und merkantilisch betrachtet, ein viel zu bedeutender Punkt, als dass man ihn zu einer Zeit hätte unbeachtet lassen sollen, wo man bereits die Bertricher Quellen kannte und benützte.

 

 

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 moselabwärts  - nach Bengel  

Beilstein um 1830

 

 

 

 

Beilstein 1830 18

 

 

Den genannten Ortschaften gegenüber erhebt sich die großartige Ruine der Burg von Beilstein, an welche sich der gleichnamige Flecken lehnt. Von welcher Seite man auch diesen Ort betrachtet, immer ist die Ansicht höchst malerisch, und die Trümmer des Schlosses, selbst in ihrem zunehmenden Verfall nicht unbedeutend, bilden mit dem übrigen ein höchst interessantes, anmutig zusammenhängendes Ganzes. Das Städtchen selbst ist allerdings klein, die Straßen schmal, krumm und düster; doch fehlt es nicht an Häusern und Wohngebäuden, die ein ganz gutes Aussehen haben. Ein durch Alter geschwärztes Burghaus mit seinem Turm fällt zuerst ins Auge; auf dem dunklen Grunde leuchten die roten Fenstergesimse, und aus hellgelbem Gestein erhebt sich das Wappen von Wunnenberg-Beilstein, zur Erinnerung an alte vorübergegangene Zeiten und Zustände. Es folgt das Rathhaus und die vormalige herrschaftliche Kellnerei; sie umgeben den   Marktplatz, der aus dem Felsen herausgearbeitet sein mag. Ein Bach fließt durch den Ort; ein anderer mündet außerhalb des Fleckens in die Mosel. Das Städtchen bestand ursprünglich aus zwei Teilen, die man frühzeitig zu gegenseitiger Sicherheit mit einer Ringmauer umfasste. Im Hintergrund erhebt sich ein Schieferfelsen von mäßiger Höhe; auf der geebneten Fläche desselben steht die vormalige Kapuziner-Kirche (1656), die seit der Suppression zugleich Pfarrkirche ist. Von dem Kloster, einer Stiftung jener berühmten Freiherrlichen Familie, die von Beilstein zubenannt ist, steht ein kleiner Teil, den man zur Pfarrwohnung eingerichtet hat. Das Innere der Kirche, geräumig und hell, deutet auf den Rundbogenstil; unter den reichen Paramenten befinden sich noch mehrere mit dem Wappenbild der Grafen von Metternich verziert.

 

 

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  moselabwärts  

Marienburg um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Marienburg 1830 16

 

 

Das bereits erwähnte, Zell gegenüber gelegene Pfarrdorf Kaimt könnte als ein zugehöriger Teil von jenem betrachtet werden; ein anmutiger Weg durch die reiche Gemarkung dieser Ortschaft führt nach der Marienburger Höhe, erst nach dem Hofgute, welches von dem ehemaligen Kloster seinen Namen behalten hat, sodann zu den Ruinen der Kirche und des Klosters, nach welchem diese interessante Halbinsel benannt ist, deren Durchschnitt von einer Seite des Moselflusses zur anderen auf diesem Punkte nicht über eine Viertelstunde betragen würde. Hier stand schon in sehr alten Zeiten ein festes Schloss (castrum), bei welchem unter Erzbischof Hillin (1127) das Frauenkloster Marienburg (sente Mergenburg) errichtet und der Abtei zu Springiersbach zu fortdauernder Aufsicht übergeben wurde. Lange standen die Geistlichen Schwestern, welche der Regel des Heiligen Augustinus folgten, in dem Rufe einer vorzüglichen Frömmigkeit, der sich jedoch schon während der Regierung Balduin´s (1350) verlor. Inzwischen führte die fast unangreifbare Lage   des Klosters mitten im Trierischen Lande bei jedem Anlass irgend eine Kriegsschar herbei, die sich des Ortes entweder zur Verteidigung bediente, oder im Besitze desselben durch den angreifenden Teil beunruhigt wurde; dieser Umstand machte, neben dem Verfall der Klosterzucht, die Dauer des Konvents auf einem so gefährlichen Punkte immer bedenklicher. Endlich ermächtigte (1515) Leo der Zehnte den Kurfürsten Richard von Greifenklau, das Kloster, dessen Meisterin damals Oltilia von Kesselstatt, aufzuheben, und die Versetzung desselben nach Stuben zu bewirken.

 

 

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