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Zell um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Zell 1830 15

 

 

Kaum sind wir über die Mündung des vorgenannten Baches hinausgekommen, so erheitert sich der einsam-trübe Charakter der Landschaft; wir erblicken auf beiden Ufern des Flusses gleich anmutige und erfreuliche Bilder, rechts die alte, vormals Kurtrierische Amtsstadt Zell, links auf einem geräumigen Uferlande, welches sich zu Vorhügeln, diese zu der waldbedeckten Höhe des Marienburger Vorlandes erheben, den alten Pfalzhof und Weiler Kaimt, jetzt eine freundliche Mosel-Ortschaft, zwischen Gärten und Obstpflanzungen versteckt, die in dem ergiebigen Boden überflüssige Nahrung finden. Die jetzige Kreisstadt Zell (Gasthöfe: bei Koch, und Premm´s Erben), auch Zell im Hamm genannt, sonst der Sitz eines Landkapitels zum Archidiakonat von Karden gehörig, mit als sechzig von Traben bis Kern hinab oder landeinwärts gelegenen Pfarreien, hat zwar ein sehr bedeutendes Altertum, erscheint aber doch noch um das Jahre 1225 als ein bloßes   Dorf, von Rittern und Landleuten bewohnt, die gerade nicht zu den Wohlhabensten gerechnet werden durften. Die bequeme Lage des Ortes an einem schiffbaren Flusse, der zunehmende Verkehr mit entfernteren Gemeinden, besonders des Hunsrückens, endlich der höchst ergiebige Weinbau machten Zell von Tag zu Tage blühender; es wurde gänzlich ummauert und stark befestigt, und viele angesehene Familien nahmen hier ihren bleibenden Aufenthalt. Das Amt Zell umfasste dreiundzwanzig Trierische Ortschaften. Als gegenwärtige Kreisstadt ist Zell der Sitz des Landrates, einer Bürgermeisterei und eines Friedensgerichtes.

 

 

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Starkenburg um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Starkenburg 1830 14

 

 

Die Gründung der Starkenburg reicht, wenn man der Sage folgen wollte, weit über die Zeit des Austrasischen Königs Dagobert hinaus; gewiss ist, dass diese Feste nebst anderen zugehörigen Schlössern und Höfen bereits im zwölften Jahrhundert den Trierischen Erzbischöfen zu Lehen aufgetragen war. Herkommen und Umstände der ältesten Besitzer der Starkenburg, der Grafen von Sponheim, ursprünglich, wie es scheint, Gau-Grafen des Nahe- und Moselgaues, verliert sich ebenfalls in dem grauen Altertume; das Geschlecht derselben teilte sich frühzeitig in verschiedene Zweige, wovon einige selbst in fernen Gegenden zu reichem Besitz und großem Ruhm gelangten. Es verdient bemerkt zu werden, dass die irdischen Überreste der sämtlichen Grafen von Sponheim aus dem Hause Starkenburg in der berühmten Zisterzienser-Abtei zu Himmerod an der Salm zu ihrer Ruhe niedergelegt sind, im alten Bedegan, d.h. in der ursprünglichen Heimat dieses berühmten Geschlechtes. Mit dem Verblühen der   alten Herrscherfamilie kam auch der Glanz der Starkenburg in Abnahme. Als ein Außenwerk von Trarbach und der Gräfenburg verlor sie nach und nach ihre Bedeutung, und wurde zuletzt ganz verlassen, als die Zeit des ewigen Landfriedens Bollwerke und Zufluchtsstätten dieser Art überflüssig machte. Das Dorf Starkenburg, auf schwindelnder Höhe an dem Gebirgsrücken hinaufgebaut, mag sich größtenteils auf ihre Kosten und aus den Trümmern ihres Baumaterials erweitert haben. Für den Weinbau aber ist die Lage der Starkenburg noch immer so vorteilhaft wie sonst; das Gewächs dieser Gegend wird an Güte den besten aus der Nachbarschaft nicht nachgesetzt.

 

 

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Kröv um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Krov 1830 12

 

 

Die Richtung des Flusses bringt uns weiter nach Kröv, (Gasthof: bei Comes) dem uralten Hauptorte des Kröverreiches, einem Marktflecken, der sich auf dem fremdlichen Vorland des linken Moselufers gar behaglich ausgebreitet hat. Die zahlreiche Einwohnerschaft, an anderthalbtausend Köpfe stark, beschäftigte sich vorzugsweise mit der Weinkultur, wobei sie sich als höchst verständige Landwirte bewähren. Sie haben ihren Bau mehrenteils auf den Riesling gestellt, und erzielen, bei ebensoviel Sorgfalt als Fleiß, ein Produkt, das zu den besseren Mittelweinen gerechnet wird, zum Teil aber wirklich ganz ausgezeichnet ist. Als den vorzüglichsten Disrikt betrachtet man die verschiedenen Lagen des Niederberges, wo die feineren Weine gewonnen werden. Die ganze Kreszenz der Kröver Gemarkung mag in vollen Jahren an Tausend Fuder geschätzt werden. Kröv war ein königliches Kammergut, oder   vielmehr, wie auch Piesport, ein Allodium des Carolingischen Hauses, nach dessen Abgang es an den Fiskus kam. Später erscheint es als eine unmittelbare Reichsdomäne, die zunächst unter der Verwaltung der Pfalzgrafen zu Aachen stand, dann aber den Reichshöfen zu Boppard und Cochem untergeben wurde. Das Kröverreich, oder des Reichs Recht, bildete sich, außer dem Hauptorte Kröv, nacheinander aus den Ortschaften Kinheim mit Kindel, Erden, Kinderbeuern (Kynheymerburen), Fetzhof (Hetzhof), Bengel, Reil und Kevenich (Kövenig), die man sich mit ihren Zugehörungen zwar als kein fest geschlossenes Gebiet, aber doch als eine eigentümliche Genossenschaft mit besonderen Rechten und Verpflichtungen zu denken hat.

 

 

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  moselabwärts  

Traben-Trarbach um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Traben-Trarbach 1830 13

 

 

Endlich gelangen wir an die Mündung der Kautenbach oder vielmehr an den Hauptarm derselben, der sich hier in die Mosel ergießt; denn ein Seitenarm, der Mühlbach, geht durch Trarbach und treibt daselbst einige Mühlen und was sonst von Gewerken die Kraft des Wassers in Anspruch nimmt. Zwischen diesen beiden Bächen ist das Städtchen Trarbach (Gasthöfe bei: Bertout, und bei Butz), die vormalige Hauptstadt der hinteren Grafschaft Sponheim, über deren hohes Altertum vieles gefabelt wird, in einer höchst romantischen Lage dergestellt aufgebaut, dass der größere Teil der Ortschaft zwischen die Berge und Felsen hineingedrängt wird, die schöne Stadtkirche aber die höchste Stelle einnimmt, von welcher sie das Ganze überschaut und beherrscht. Die Häuser am Fluss, wo sich das Tal erweitert, geniessen eines heiteren Blickes über den schönen Strom und jenes herrlich geformte, für den Anbau so überaus günstige Weingebirge, an dessen sanftem Abhang das uralte Traben gelagert ist. Das Innere von Trarbach bietet dagegen wenig Reizendes; in den engen und krummen Straßen fehlt es nicht an einer guten Zahl von übergebauten   Häusern, die kaum zur Mittagszeit dem Sonnenlicht freien Zugang und ungehinderte Wirkung verstatten. Eine Mauer, von verschiedenen Türmen beschützt, zieht sich um den Ort; und die Stadttore, die Mosel-, Weiher- und Schottenpforte, sämtlich überwölbt und hoch aufgebaut, sind größtenteils noch in ihren alten Würden belassen. Aber der Stolz von Trarbach, der Punkt, welcher den Anbau des Städtchens veranlasste und ihm eine gewisse historische Bedeutung gegeben hat, die Gräfenburg, »des gantzen umligenden Landes Schutzwehr, Freystatt und Erhalterin,« ist in Staub zerfallen, und lebt nur noch in der Erinnerung weiter fort. Das Gerölle zersprengter Mauern und Felswände bedeckt den Abhang des Berges bis zur Mosel hinab; diese unscheinbaren Trümmer sind die Überreste jenes Bauwerkes, wozu die berühmte Gräfin Lauretta von Sponheim den Grund legte und worauf sie eine so ansehnliche Summe Geldes verwendete.

 

 

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Ürzig um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Urzig 1830 11

 

 

Stromabwärts, am linken Ufer, noch innerhalb der erwähnten Krümmung, liegt Ürzig, ein bedeutendes Kirchdorf, dessen Anlage nächst der altberühmten Urley (oder Orley) so wie die fremdartige Benennung über die Zeit der Römischen Ansiedelung hinausreichen dürfte. Die Gemarkung des Ortes enthält, bei einem Umfange von anderthalb Stunden, etwas Ackerland, besonders aber viele Weinberge, auf deren sorgfältige Pflege die Einwohnerschaft, an neunhundert Köpfe stark, ihren zunehmenden Wohlstand gegründet hat. Dazu trägt aber auch die Verbindung mit der reichen Talgegend von Wittlich das ihrige bei, wohin auch von Ürzig ein wohlbestellter Fahrweg führt. Diese Straße geleitet den Moselreisenden, der nicht bloß Vergnügen sondern auch Belehrung sucht, zu einigen Punkten von historischer Zelebrität. Sie läuft gegen die Trierische Hauptstrasse und den alten Römerweg nach Berlingen, in dessen Nähe, mehr nach der   Ebene gerichtet, Bomagen (Bombogen) liegt, jenes Bumagen, bei welchem der wüste Graf Wilhelm von Luxemburg sein Schloss Hunniaz erbaut hatte, und von daher nach der Sitte seiner Zeit und seines Geschlechtes durch fortgesetzte Räubereien die Trierische Kirche nicht wenig beunruhigte (1127). Später gründete man hier, zur Abwehr ähnlicher Gewalttaten und Frevel, auf dem kegelförmigen Berg bei dem Dorf Neuerburg, der das schöne Tal vollkommen beherrscht, die nunmehr auch schon längst zerfallene Neuerburg, die jener Dorfschaft den Namen zurückgelassen hat, eine der festesten und mächtigsten des Trierischen Landes.

 

 

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