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Zeltingen um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Zeltingen 1830 10

 

 

Dieser große und volkreiche Flecken zieht uns abermals vom linken Ufer des Flusses auf das rechte zurück, an einigen Inseln vorbei, die zu seiner Gemarkung gehören und nach ihm benannt sind. Die Gegend von Zeltingen liefert eines der edelsten Gewächse des Moseltales, und ist zugleich durch die ergiebigste Produktion vor andern ausgezeichnet, da in vollen Jahren an vierzehnhundert Fuder erzielt werden können. Eine Menge geistlicher und weltlicher Herren hatten sich in dieser gesegneten Landschaft frühzeitig festgesetzt und ansehnlichen Grundbesitz erworben; aber die alten Güter und Höfe sind mehrenteils zerschlagen und unter die bürgerlichen Besitzer verteilt, wie nicht minder die verschiedenen Weinlehen, von denen sich nur das Kreutnergut durch einen glücklichen Zufall in Mitte der zerstörenden Prinzipien bis auf die neueste Zeit erhalten hatte. Arnold Heinrich von der Horst,   Eigentümer des Kreutnerhauses, aber nicht im Stande den Bau des Grundstücks fortzusetzen, übergab dieses durch eine Transaktion vom 23. Juli 1732 gegen ein bares Darlehen von 4200 Thlrn. zu 80 Alb. Kölnisch Pfandweise an das Kollegium Patrum S. J. zu Koblenz, und die Väter der Gesellschaft vererbten den ungestörten Genuss des schönen Gutes auf ihre Nachkommen, zu denenauch das dortige Gymnasium gehört. Endlich, nach fast hundertjährigem Bestand jenes emphyteutischen Besitzes, machten die Erbnehmer des Pfandgebers ihre Ansprüche geltend, und erhielten, nicht ohne beschwerliche Unterhandlungen, welche die Natur der Sache mit sich brachte, das ihnen zuständige Gut
gegen eine Vergleichssumme von 4446 Rthlrn. 23 Gr. 4 Pf., durch Schlusstraktat vom 2. Dezember 1830.

 

 

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moselaufwärts   moselabwärts  

Bernkastel um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Bernkastel 1830 9

 

 

Der Strom trennt Kues und das Hospital von dem durch eine Art von fliegender Brücke mit beiden verbundenen Flecken BernKastel, der auf einem schmalen Raume längs dem Fluss und an einem kleinen Waldbache hinaufgebaut ist, die Tiefenbach genannt, die am oberen Ende den Ort durchschneidet und sich in den Moselstrom ergiesst, nachdem sie sich in einem engen Tal durch herrliche Wasserfälle, kühne Felsenbildungen und heitere Wiesenplätze, von den Höhen gegen Belginum niederstürzend, mühsam den Weg dahin gebahnt hat. Das Städchen, sonst der Hauptsitz eines landesfürstlichen Amtes, zu dem die Ortschaften Kues, Graach, Monzel, Monzelfeld, Osann, Neumagen und Lieser gehörten, und mit Mauern und Türmen, die jetzt zum Theil verschwunden sind, wohlverwahrt, zählt an zwei Tausend sehr betriebsame Einwohner, deren Hauptbeschäftigung, neben dem Kleinhandel und dem zunehmenden Vetrieb von Leyen, der Weinbau ist. Eine schöne Strasse, über Longkamp nach dem alten Steinweg (dem stumpfen Turm) geführt, verbindet den Ort mit   der Hochfläche des Hunsrücks, und trägt nicht wenig dazu bei, den Speditions- und Kommissionshandel, für den es sonst an Mitteln und Wegen gebrach, in Aufnahme zu bringen.  Die Pfarrkirche zu St. Michael hat einen bedeutenden Turm mit einem Aufsatz von acht Nebentürmchen, der ihm ein ganz stattliches Ansehen gibt. Sie war früher (seit 1471) nebst Noviand dem Chorstift zu Pfalzel einverleibt; daher die Angabe v. Hontheim´s auf einem Irrtum beruht, dass Cusanus aus Vorliebe für seinen Geburtsort jene Begünstigung für sein Hospital nachgesucht und erhalten habe. Die vielen Vikarien, deren Inhaber zu kirchlichen Verrichtungen in den benachbarten, nunmehr selbständigen Ortschaften verpflichtet waren, sind nach und nach verschwunden, bis auf die einzig übrige Filiale für Andel.

 

 

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  moselabwärts  

Veldenz um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Veldenz 1830 7

 

 

Die Hinterbach hinauf, durch ein höchst anmutiges Wiesental, Ackerland und Weinberge, die hier dem Wiesenbaue weichen müssen, zur Seite, gelangen wir nach dem naheliegenden uralten Flecken Veldenz (Feldenzun 1132), dessen größtenteils Evangelische Bevölkerung etwas mehr als sieben- hundert Köpfe zählt. Eine Viertelstunde oberhalb, an dem nämlichen Waldbache, liegt das kleine Dörfchen Thal-Veldenz, und über demselben erhebt sich auf einem schön bewaldeten Vorgebirge, kühn und malerisch,die berühmte Burgruine Veldenz, von der die ganze Grafschaft ihren Namen erhielt. Bereits im sechsten Jahrhundert scheint Veldenz durch eine Schenkung Childeberts des Zweiten von Austrasien an die Kirche zu Verdun gekommen zu sein. Die Urkunden der nächstfolgenden Zeit, auch die vorgedachte vom Jahre 1156, erwähnen diese Verhältnisses auf eine Art, die keinen Zweifel über die Natur desselben zulässt. Und so erscheinen auch die ersten Grafen von Veldenz, ein mächtiges und reich begütertes Herrengeschlecht, als Lehensträger des dortigen Hochstiftes. Einer dieser Grafen, Gerlach der Fünfte, war Mitglied jener Gesandtschaft, welche dem weisen Alfons von Castilien die Nachricht zu überbringen hatte, dass er durch die Wahl   der Reichsfürsten zur Deutschen Kaiserkrone berufen worden. Im Jahre 1543 kam die Burg mit der dazugehörigen Grafschaft an das Haus Pfalz-Zweibrücken, und es bildete sich jetzt die nach Veldenz benannte Nebenlinie dieses fürstlichen Hauses. Aber auch diese Pfälzische Linie zu Veldenz starb im Jahre 1694 aus, worauf nach einigen wunderlichen Traktationen der ganze Länderbestand an Chur-Pfalz gelangte und, der verschiedenen Anfechtungen ungeachtet, bis auf die Umwälzungen der neueren Zeit bei diesem Hause erhalten wurde. Die Grafschaft bildete einen integrierenden Teil des Oberrheinischen Kreises. Die sämtlichen Veldenzischen Orte, Veldenz, Flecken und Thal, Korenhausen, Burgen, Dusemont, Mühlheim und Andel, von den Trierischen Ämtern Bernkastel, Wittlich und Hunolstein umgrenzt, umfassten einen Landstrich von zwei Stunden Länge und anderthalb Stunden Breite; das Landgericht bestand aus den Schöffen der einzelnen Ortschaften unter dem Vorsitz des Landschultheissen.

 

 

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Kues um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Kues 1830 8

 

 

Die Richtung der Wasserstraße führt uns an einigen Inseln, einer größeren und kleineren (dem Bünchen), vorbei nach dem Dorf Kues, dessen Name an einen der berühmtesten und verdientesten Männer des Trierischen Landes erinnert. Das Dörfchen Kues zählt etwas über achthundert Einwohner, die sich größtenteils vom Weinbau ernähren, indem sie bei guten Jahren wohl sechshundert Fuder eines sehr preiswürdigen Erzeugnisses gewinnen. Sie treiben aber auch Ackerbau, und verdanken dieser Beschäftigung den größeren Teil ihres Wohlstandes. Ein bedeutender Teil ihrer Gemarkung (Zehnterei) liegt auf dem rechten Ufer des Flusses und grenzt mit Andel. Von Kues geleitet uns ein anmutiger Landweg von einer kleinen Viertelstunde über eine kleine, von dem anliegenden Gebirgszug in den zierlichsten Formen umgrenzte Ebene, die zugleich mit einer Fülle von Obstbäumen gesegnet ist, nach dem Hospitale gleiches Namens, einer denkwürdigen Stiftung jenes Nicolaus von Cues (de Cusa, Cusanus), der seiner Geburtsstätte eine Zelebrität verschafft hat, die den Glanz von Jahrhunderten verdunkelt. Der berühmte Kardinal war in dem Dörfchen Kues, woher er seinen Namen entlehnt hat, im Jahre 1401, wie man gemeinhin glaubt, von ganz armen, dem
  Schiffer- oder Fischerstande angehörigen Eltern geboren, die für die Erziehung ihres Sohnes aus eigenen Mitteln so gut als gar nichts tun konnten. Gegen diese Annahme streitet jedoch gar sehr der Anblick seines väterlichen Hauses (noch jetzt Eigentum des Hospitals) so wie der beträchtliche Umfang der ebenfalls noch der Hospitalstiftung zugehörigen Patrimonialgüter der Familie Chrypffs (so hiess der Vater des Prälaten) oder Krebs (de Cancris, 1306), die man hiernach wenigstens nicht zu den unbedeutenden bürgerlichen Geschlechtern jener Zeit und Gegend rechnen dürfte. So viel ist aber gewiss, dass der junge Chrypffs bei den Fraterherren zu Deventer, wo er den Grund zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung legte, und später zu Padua in den verschiedenen Zweigen des Unterrichtes und der Unterweisung bei seinem glücklichen Talente rasch voranschritt, und zum Dienst der Kirche sich vollkommen befähigte.

 

 

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Brauneberg um 1830

 

Auszug aus dem Buch »Mit Carl Bodmer von Trier nach Koblenz«

 

 

 

Brauneberg 1830 6

 

 

Zunächst mit diesen Gemeinden grenzt der schöne Flecken Dusemont [Brauneberg], ein zur vormaligen Grafschaft Veldenz gehöriger Ort, mit einer herrlichen Aussicht auf den gegenüberliegenden Brauneberg, der von hier aus seine ganze imposante Grösse entfaltet. Die Einwohnerschaft ist zwischen die beiden Bekenntnisse ungleich verteilt; die Katholischen machen etwa den vierten Teil der ganzen Bevölkerung aus. Die grossen Höfe geistlicher und weltlicher Herren (der Grafen von Manderscheid und von Breitbach-Büresheim) haben dem Schicksale der Veräusserung, so wie der endlichen Zersplitterung unter die bürgerlichen Grundbesitzer nicht entgehen können. Die alte Pfarrkirche zu St. Remigius wurde bereits im Jahre 1775 abgebrochen; die an ihre Stelle neuerbaute dient beiden Religionsteilen gemeinschaftlich, den Katholischen als Pfarrei, den Evangelischen als Filial zu Mühlheim gehörig. Der grosse Ruf so wie der Wohlstand von Dusemont gründet sich ganz eigentlich auf den schon genannten, dem Flecken ziemlich gerade gegenüber liegenden weit und breit berühmten   Brauneberg. Er bildet auf dem linken (nördlichen) Ufer des Flusses eine gerade Linie, die in der Nähe von Kesten mit Monzel anhebt und sich bis zur Mündung der Lieser erstreckt. Anfangs tritt er etwas vom Flusse zurück und lässt Raum für die schon erwähnte kleine Ebene, an deren Eingang Kesten liegt; dann aber, von Neu-Filzen oder Dusemont an, die ihm gegenüber liegen, folgt er ganz der Richtung des Stromes, in dessen unmittelbare Nähe er gerückt ist. Das sachte Ansteigen des Berges von der Ebene her, und seine durchaus regelmässige Form unterscheidet ihn von allen andern Moselbergen und macht ihn zu einer ganz eigentümlichen Erscheinung. Dadurch wird aber auch jener höchst gleichförmige Betrieb des Anbaues möglich, den man sonst so leicht nicht wieder findet und dessen günstiger Einfluss auf die Qualität des Erzeugnisses sich gar nicht verkennen lässt. In vollen Jahren können hier mehr als acht Hundert Fuder gewonnen werden.

 

 

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