Ediger-Eller

 

Gemeinde Ediger-Eller, Verbandsgemeinde Cochem-Land, Kreis Cochem-Zell,
ca. 960 Einwohner, 1913 ha, davon 189 ha Weinbau und 1246 ha Wald

 

Die frühesten Siedlungsspuren stammen aus der jüngeren Steinzeit, aber die ersten bedeutenden Siedler waren Kelten, die auch dem Ort den Namen gaben: Ediger = ethegreia = Sandufer. Ediger wurde erstmals 639 n. Chr. unter König Dagobert I. erwähnt. Im frühen Mittelalter stand es im Schatten des damals größeren Eller, gewann dann aber im Hoch- und Spätmittelalter an Bedeutung und wurde 1363 von Kaiser Karl IV. zur Stadt erhoben. Es durfte mit Mauern und Gräben befestigt werden, Markt und Gericht abhalten und mit den Rechten und Freiheiten der Stadt Cochem ausgestattet werden. Die Befestigungen wurden gebaut, Gericht und Markt eingerichtet, aber sonderbarerweise wurde der letzte Schritt zur Stadterhebung nicht getan, Ediger blieb Dorf. Dennoch war es in den folgenden Jahrhunderten sicher der bedeutendste Ort im Umkreis und auch von entsprechendem Reichtum. Davon zeugen noch heute die vielen, zum Teil sehr schön erhaltenen Fachwerkhäuser aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, die hier in so großer Zahl freigelegt sind, wie in nur wenigen Moselorten.

Glücklicherweise ist auch die alte »Stadt«-Befestigung nur an der Moselseite abgerissen worden und umzieht auch heute noch den Ortskern. Zwei Ecktürme der Ringmauer stehen an der Moselweinstraße, bis dahin reichte einst der Fluss.
Besonders reizvoll ist die Lage der Pfarrkirche St. Martin halb über der Befestigung und dem erhaltenen Bogen des Peterstors, das den bergseitigen Zugang zum Ort schützte. Der gotische Schieferturmhelm ist der am reichsten verzierte in Europa. An der reich ausgestatteten Kirche mit asymmetrischem Grundriss und raffiniertem Gewölbe beginnt auch der Kreuzweg zur Kreuzkapelle hoch über dem Ort auf dem Ediger Berg. Dort steht als Inbegriff moselländischer Frömmigkeit das Reliefbild »Christus in der Kelter« von Ende des 16. Jahrhundert.
Der Kulturweg der Religionen ist ein ca. 6 km langer Rundwanderweg der Informationen von anderen Religionen näherbringt. Unter anderem führt er zur Synagoge in Ediger, die als Haus der Psalmen religionsübergreifend genutzt werden soll.

Flussabwärts von Ediger hat sich als letzter Rest der Lehmener Höfe ein Wohnturm erhalten.

Eller ist der kleinere der beiden Winzerorte, die seit 1969 eine Gemeinde bilden, aber schon seit Jahrhunderten ein ähnliches Schicksal haben und in der Franzosenzeit schon einmal vereint waren. So ist der Zusammenschluss der beiden Dörfer wohl weniger künstlich und von außen bestimmt als bei vielen moselanischen Doppelgemeinden.

Eller, das Erlendorf, ist keltischen Ursprungs. Aus jener Zeit stammen die Reste der Fliehburg auf dem Hochkessel. Die Besiedlung in der römischen Epoche ist durch zahlreiche Fundstücke belegt. Zur Zeit der Merowinger war Eller ein Königshof. So missionierte hiernach 507 der Hl. Friedolin und erbaute ein Kloster zu Ehren der Hl. Hilarius. 1097 wurde Eller zu einer Großpfarrei. Unter der Herrschaft der Trierer Kurfürsten erlebte der Ort eine Blütezeit. Mehr als 70 Dörfer mussten im Ellerer Zehnthaus ihren Zehnten abliefern. Es existierte ein eigenes Ellerer Maß. Im 12. Jahrhundert verlor Eller einen Teil seiner Bedeutung an das vorher kleinere Ediger. Nachdem das Dorf in der kriegerischen Zeit des 17. Jahrhundert zerstört wurde und verarmte, brachte nach einer langsamen Erholung der Beginn des 19. Jahrhundert, wie in vielen Moselgemeinden, einen Aufschwung.

Die Feudalherrschaft wurde abgeschafft, die Winzer wurden frei und konnten die Weinberge ersteigern, die bisher den Kirchen, Klöstern und Feudalherren gehörten. Auch die Verkehrsverhältnisse besserten sich. 1853 wurde die Moselstraße gebaut, 1879 kam die Eisenbahn, und Eller hat seitdem einen Bahnhof nah beim Südausgang des zweigleisigen Kaiser-Wilhelm-Tunnels, der von Cochem kommend den Moselkrampen unterquert und 108 Jahre der längste Eisenbahntunnel Deutschlands war.

Auch heute noch ist das Renommierbauwerk von 4205 m Länge aus dem Jahre 1877 beeindruckend und verkürzt die Strecke von Eller nach Cochem um 20 km.

 

Aktivitäten in Ediger-Eller

Vom Gipfel des Calmont oberhalb von Eller bietet sich dem Besucher einer der schönsten Ausblicke im Moselland auf die bekannte Moselschleife mit dem Kloster Stuben.
Ein Klettersteig führt hinauf auf den steilen Berg. Hier findet man auch eine Abflugrampe für Gleitschirmflieger.

Wer nicht klettern möchte findet verschiedene Wanderwege rund um den Ort.

In Eller befindet sich eine Kanustation und an der Tankstelle in Ediger-Eller kann man Fahrräder und E-Bikes ausleihen.